Neuraltherapie nach Huneke

                                                                                     

Es war die Behandlung seiner Schwester, die Ferdinand Huneke im Jahre 1925 zu den Überlegungen brachte, mit denen Er die Neuraltherapie zusammen mit seinem Bruder Walter Huneke später entwickelte.
Seine Schwester litt bereits seit Jahren an einer schweren Form der Migräne mit allen klassischen Merkmalen wie Augenbrennen, Empfindlichkeit gegen Licht, Übelkeit und stärksten Kopfschmerzen. Ferdinand und Walter Huneke hatten natürlich alle Möglichkeiten probiert der Schwester Linderung zu helfen und erfolgreich zu behandeln. Alles was Sie aber in all den Jahren schafften, war nur eine mehr oder weniger kurze Linderung der Beschwerden. An eine Heilung war kaum zu denken.
Doch eines Tages im Sommer des Jahres 1925 verabreichte Ferdinand Huneke seiner Schwester ein neues Rheumamittel, das ein Kollege Ihm empfohlen hatte. Dieses Rheumamedikament Atofanyl gab Er seiner Schwester in die Vene, wie zuvor bereits viele andere Präparate auch und erwartete wieder nur eine Linderung der Schmerzen.
Doch an diesem Tag geschah etwas völlig unerwartetes: Kaum dass Er mit der Gabe des Medikaments begonnen hatte, waren die Schmerzen, die Übelkeit und alle anderen Begleiterscheinungen der Migräne bei seiner Schwester mit einem Schlag fort. Was noch überraschender war, Sie traten auch nicht wieder auf. Auch lange nachdem das Medikament im Körper nicht mehr vorhanden war, blieb diese Wirkung bestehen.
Der entscheidende Schritt zur späteren Neuraltherapie war jedoch, dass Ferdinand Huneke dies nicht einfach hinnahm, sondern sich zusammen mit seinem Bruder Walter überlegte, wie diese Wirkung so einsetzen und anhalten konnte. Dabei stellten sie fest, dass sich das dargereichte Medikament aus dem Wirkstoff sowie dem Procain, einem Lokalanästhetikum als Zusatz, zusammensetzte. Sie kamen zu dem Schluss, dass das Procain der entscheidende Bestandteil sein musste, da eine andere Darreichungsform des Medikaments, ohne Procain, diese Wirkungen nicht hatte, Es folgten 3 Jahre in denen Ferdinand und Walter Huneke mit vielen Versuchsreihen zunächst am eigenen Körper diese Wirkung bestätigen konnten. Sie veröffentlichten diese Ergebnisse 1928 unter dem Titel: „Unbekannte fernwirkung der Lokalanästhesie“. Aus diesem Grundstein entwickelten Sie später gemeinsam die Neuraltherapie nach Huneke.
In dieser Zeit verabreichten Sie vielfach Procain über die Vene zur Behandlung von Migräne und auch anderen Erkrankungen. Dabei erzielte Er eines Tages eine sofortige Schmerzbefreiung obwohl Er das Procain wegen schlechter Venenverhältnisse neben die Vene gab. Schon damals war bekannt, dass Venen von feinsten Nervengeflechten des vegetativen Nervensystems umsponnen sind. Er kam zu der Schlussfolgerung, dass die Wirkung des Procain nicht über das Blut, sondern über das Nervensystem erzielt wird.
Dies führte dazu, dass die Gebrüder Huneke begannen die alleinige intravenöse Gabe um Injektionen an verschiedenste Stellen des Körpers sowie Ganglien (Nervenknoten mit Umschaltfunktionen innerhalb des Nervensystems) erweiterten. Daraus entwickelte sich die Segmenttherapie. Dabei wird bei einer Erkrankung, z.B. der Schulter, das Segment um die Schulter herum mit Procain behandelt. Man wirkt dabei unter anderem auf Stoffwechselprozesse der Muskulatur, des Knochens, des Bindegewebes usw. ein. Dabei wirkt die Therapie regulierend auf innere Organe indem sie Durchblutungsverhältnisse bessert, Muskelverspannungen löst oder die Sekretion von Drüsen normalisiert. Dies kann bei den unterschiedlichsten Krankheiten von Nutzen sein: Verspannungen, Rheuma, Durchblutungsstörungen, Allergien, chronischen Schmerzen, etc.

Bei der erweiterten segmenttherapie erfolgt die Behandlung an sogenannten Ganglein. Diese stellen übergeordnete Schaltzentralen des vegetativen Nervensystems dar und versorgen oder regulieren einen grösseren Bereich, welcher mehrere Segmente überlappen kann. Die Injektion an diesen Ganglien bewirkt eine regulative Wirkung im gesamten versorgten Bereich mit einer Duchblutungssteigerung, Muskelentspannung, Reizlinderung und weiteren vegetativen Effekten. Die erweiterte Segmenttherapie oder Ganglientherapie besitzt einen wichtigen Stellenwert in der Neuraltherapie und verstärkt eineb Behandlungserfolg erheblich.


Im Jahre 1940 beobachtete und beschrieb Ferdinand Huneke das erste Sekundenphänomen. Eine Patientin kam zu Dr. Huneke mit chronischen Schulterschmerzen. Er behandelte Sie mehrfach wie oben beschrieben mit Injektionen im Segment (intravenös, an und in das Gelenk, Hautquaddeln, Muskelverspannungen). Allerdings ohne einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen.
Einige Monate später stellte sich die Patientin erneut bei Ferdinand Huneke vor. Diesmal jedoch mit einer schmerzhaften Osteomyelitis-Narbe (Knochenmarksentzündung). Diese hatte Sie seit mehreren Jahren und Sie verursachte Ihr immer wieder Beschwerden. Also setzte Ferdinand Huneke wie immer an und infiltrierte (spritzte) Procain in die Haut des Narbenbereichs. Doch zur Überraschung Ferdinand Hunekes gab die Patientin eine sofortige Beschwerdefreiheit in Ihrer Schulter an, das erste Sekundenphänomen.
Ferdinand Huneke begriff, dass diese Wirkung nur mittels des vegetativen Nervensystems ausgelöst werden konnte, da das Medikament unmöglich in dieser kurzen Zeit zur Schulter gelangen konnte. Das vegetative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) ist im gesamten Körper mittels feinster Nervenenden vernetzt und reguliert so die unterschiedlichsten Körperfunktionen (Schweißsekretion, Durchblutung, Stoffwechsel, etc.). Eine Fehlregulation dieses Systems kann somit also die unterschiedlichsten Folgen wie Minderdurchblutung oder Fehlsekretion von Drüsen führen. Das Procain hebt dabei die störenden Einflüsse des Störfeldes auf das vegetative Nervensystem sofort und nachhaltig auf.
Schon damals dachte Er an eine mögliche Erklärung dieser Wirkung über kybernetische Mechanismen, welche sich erst viele Jahre später bestätigte. Über diese Mechanismen kann jede Narbe, mag Sie auch noch so klein sein, theoretisch zum Störfeld werden und an jeder beliebigen Stelle im Körper zu einer Fehlregulation und damit zu einer Erkrankung führen. Durch die Störfeldtherapie mittels Procain kann man diese ausschalten und mit sofortiger Wirkung die Fehlregulation und somit die Erkrankung auflösen.